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Lund in Sicht! Schweden 2009

Archive for Januar, 2009

Comedypolizisten und frühe Vögel

20th Januar
2009
written by admin

Geschätzte Heimatgemeinde!

Ich bin der neue Eintrag hier und mein Name ist Godot. Jaja, ich habe lange auf mich warten lassen. Brüller für Literaturfreunde zum Anfang. Tusch, Feuerwerk, Literaturnobelpreis mit 24, Drogen, Absturz, Pflegeheim.

Zurück zu mir: Was lange währt, wird endlich gut. Nachdem ich mich tagelang durch den schwedischen Dschungel schlagen musste, habe ich nun endlich eine verlassene Jagdhütte gefunden mit 16MBit-Standleitung. Spaß. Bloggen ist anstrengend, deswegen machen es so wenige Menschen.

Die erste Woche in Lund ist rum. Gerd Rubenbauer würde sagen: Zeit für ein erstes Fazit. Verrückte Leute kennengelernt, in einer netten WG untergekommen, aber noch nicht die ganz ganz große Abrissparty gefeiert - also ungefähr die DVD von American Pie nach drei Minuten Spielzeit.

Mein Zimmer verhält sich zum Lunder Stadtkern wie das billigste Zimmer im Chelsea Hotel zu New York: für seine Größe sündhaft teuer, aber äußerst charmant und mittendrin statt nur dabei! Zu Fuß geht man ungefähr zwei Minuten zur bekanntesten (und mutmaßlich einzigen) überregional bekannten Sehenswürdigkeit, der gotischen Domkirche (Domkyrkan). Wenn Schnee liegt und man Indoor-Fußballschuhe anhat, weil man gerade vom Sport kommt, ist übrigens ungefähr die vierfache Zeit vonnöten, da Kopfsteinpflaster, Schnee und adidas Samba zusammen Nitroglycerin ergeben.
Leider verlasse ich die Multi-Kulti-WG aus Holland, der Schweiz, Deutschland und Kanada in wenigen Tagen, um in ein Wohnheim zu ziehen, das sich Delphi nennt. D wie Dekadenz, E wie Erasmus, L wie Leberschaden, P wie Pornographie, H wie Harter Stoff und I wie Infektionsgefahr. Verspricht ne lustige Zeit zu werden da.

Gelernt habe ich in den letzten Tagen mehrere Dinge:

- Schweden beschäftigt ausgebildete Comedians im Polizeidienst. Zumindest das Exemplar ‘Patrick’ auf der Einführungsveranstaltung für ausländische Studenten war einer. Normalerweise müsste das schwedische Fernsehen dem Jungen einen Vertrag auf Lebenszeit geben, aber es ist zu vermuten, dass dort ähnliche Quarkbirnen wie bei RTL und Sat1 sitzen und schwedische Barths und Mittermeiers verpflichten, anstatt Patrick die Gesetze des schwedischen Straßenverkehrs deklamieren zu lassen. Der Hörsaal hat sich jedenfalls gebogen vor Lachen, und das obwohl er von dem Glatzkopf am Overheadprojektor gestenreich erläutert bekam, dass der Lunder Student fürs Stoppschildüberfahren umgerechnet 300€, pro fehlendem Fahrradlicht 50€ und für Wildpinkeln 80€ in die schwedische Infrastruktur investieren muss. Im Gegenzug ist es allerdings gestattet, im Vollrausch Fahrrad zu fahren und dabei sogar zu telefonieren, solang man keine Schlangenlinien fährt. Segensreich außerdem: aufgrund der langen studentischen Tradition Lunds ist es hier erlaubt, auf der Straße Alkohol zu verzehren - im benachbarten Malmö zahlt man Strafe.

- Schwedische Studentenstädte sind ein Biotop für Paarungsverhaltensforscher. Zumindest kursiert hier ein Sprichwort: Wenn man hier mit sieben verschiedenen Leuten in der Kiste war, hat man über zwei Ecken jeden Einwohner Lunds indirekt mit flachgelegt. Das klassische Kleine-Welt-Phänomen von Milgram, endlich praktisch angewandt!
Erfahren habe ich das Ganze von einer Schwedin, die es wissen muss: sie ist Vorsitzender der nach eigener Auskunft “naughtiest nation”. Nation? Nicht Schweden an sich! “Nations” sind hier die Studentenverbindungen. Von der Mitverantwortlichkeit für Alkoholprobleme unter Studenten her spielen sie eine ähnliche Rolle wie in Deutschland, nur ohne die lästigen Zugaben wie Fechten, albernes Burschenschaftsgehabe oder Pflichtschärpen. Dafür organisieren die insgesamt 13 Lunder Nations jeden Abend Parties, günstige Mittagstische, Ausflüge, Sportevents, Reisen, Parties, Konzerte, poetry slams, erwähnte ich Parties? Die Nations bilden also das Rückgrat des studentischen Lebens hier in Lund. Auf deren Parties kann man sich übrigens für wenig Geld gepflegt die Kommode lackieren. Dürfte eine der Säulen ihres Erfolges sein!

- Schwedens Wurmpopulation muss erschreckend niedrig sein, zumindest unter Akademikern gibt es nämlich hier verdammt viele frühe Vögel. Manche Kurse beginnen tatsächlich um 8.15 Uhr. Warum nicht gleich 4.30 oder 3.11? Dankbarerweise übernimmt allerdings zumindest am Montagmorgen um Mitternacht Uhr die Lunder Müllabfuhr den Weckdienst für die Bürger, indem sie mit Pearl-Harbor-Gedächtnislautstärke auch den letzten REM-Schläfer in die Woche sprengt.

- Zu guter Letzt unnützes Wissen für alle Ikeafreunde: Der Hot Dog kostet hier umgerechnet lediglich 50 Cent und wird auf der nach oben offenen Dagobert-Duck-Schnäppchenskala lediglich vom weißen Handtuch für 2 Kronen (20 Cent) outperformt. Kleines Gedankenspiel zum Schluss: In Schweden bekommt man entweder 400 blütenweiße Handtücher oder einmal Wildpinkeln bei Tageslicht mitten auf dem Rathausplatz von Lund.

Darauf ein Prosit auf dieses fortschrittliche Land!

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Prima leben und sparen

12th Januar
2009
written by admin

Man liest ja immer, dass die Schweden so viel Geld haben, dass sie sich theoretisch mit ihren Geldscheinen die Wohnzimmer tapezieren könnten, wenn sie nur wollten. Weil sie aber von den Farben der Kronenscheine Augenleiden bekommen würden, geben die feinen Herrschaften ihr Geld lieber mit vollen Händen aus, in erster Linie für Lebensmittel und überteuerten Alkohol. Soweit das Klischee. Wenn das wirklich stimmt, bin ich in der ärmsten Stadt Schwedens gelandet, denn bisher ist alles genauso bezahlbar oder unbezahlbar gewesen wie in Düsseldorf auch:

- extra große Falafel 25 Kronen, entspricht weniger als 2,50€. Wollte mich beim Bestellen der Falafel als sprachgewandter Beinaheschwede präsentieren und begrüßte den Mann am Tresen mit dem schulbuchmäßigen Satz “En stor falafel, tack”. Mit der Nummer wäre ich auch fast durchgekommen, leider durchkreuzte der Ganove meine Pläne mit einer Gegenfrage, die sich anhörte wie drei Meter Frosch im Hals und als Frage nach der gewünschten Sauce herausstellte. Ich antwortete souverän mit “Ähhh… Pardon?”, wurde mit einer englischen Übersetzung belohnt und alsbald als Deutscher identifiziert, da der weißbeschürzte Mann von “Lunda Falafel” natürlich jahrelang in Thüringen gelebt und mehrfach in Düsseldorf war. Da bist du gefühlt am Polarkreis und im Dönerladen sind dieselben Pappnasen wie zu Hause!

- Dann ließ ich mich im staatlichen Alkostore von zwei einheimischen Studenten bezüglich der besten Bierwahl beraten, da ich mir angesichts der Vielfalt an mir neuen Bierprodukten vorkam wie ein Vierjähriger beim ersten Toys’r'us-Besuch. Die Wahl fiel nach eingehender Beratung auf zwei lokale Brauereierzeugnisse zum Preis von ca. nem Euro pro Büchse. So schlimm ist das wirklich nicht. Bei der Gelegenheit teilten mir meine offensichtlich gerne betäubten Helfer mit, dass sie persönlich ja auf das Zeug schwören, wo “10%” auf der Dose steht, und damit ist keine Rabattaktion gemeint: “You drink four of them and are totally wasted! We always buy this!” Ich hab den Geschmackstest vorerst verschoben.

Die Stadt ist, was ich bisher gesehen habe, recht “urig”, wie man 1964 gesagt hätte. Kopfsteinpflaster, verwinkelte Gassen, viele Fahrräder, nette kleine Geschäfte, lustige Worte auf den Schildern (bisherige Highlights: Guldsmyd, Pepperkaka). Erinnert an Städtchen wie Marburg, Münster oder Trier. Leider musste ich heute ziemlich lange auf meinen Obervermieter warten, der die Miete einkassieren wollte, daher war die Erkundungstour eher ein Abklappern von Straßenecken auf der Suche nach einem anständigen Bankautomaten. Aufgetaucht ist der Obervermieter übrigens immer noch nicht. Wenigstens habe ich so die ein oder andere Mütze Schlaf nachgeholt, in meinem netten kleinen Zimmer in einer 5er-WG mit einem Holländer, einem Schweizer und zwei Kanadiern. Ob es hier wohl auch Schweden gibt?

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Schwedische Eröffnung

4th Januar
2009
written by admin

Bäms, da isser. Hässliche Headergrafik, aber nicht mal Herr Klinkhammer hats mit diesem komischen Fotoprogramm hingekriegt. Das will was heißen. Wie auch immer. Die Adresse dieser Webseite ist das Ergebnis eines zweistündigen Wortspielbrainstormings. Nicht mal Bernd Stelter hätte bei manchen Vorschlägen gelacht. Der hier ist aber das Gabelfrühstück unter den Witzen. Anyway. Mit Tagebuchblogs, finde ich eigentlich, ist das immer so ne Sache. Meiner Meinung nach hat öffentliches Lebensprotokollieren im Internet viel von der Liveübertragung des Superbowl. Milliarden Menschen können zugucken, aber wenn man mal ganz ehrlich ist, interessiert es einen toten Sheriff.

Aber weil ich ja ab nächsten Sonntag (wenn das denn bis dahin alles hinhaut - habe gefühlt noch mehr zu organisieren als Bob Geldof vor Live8) für ein halbes Jahr den Schweden auf den Keks gehen werde und Schweden ein exotisches Land mit fremden Riten und unbekanntem Kulturterrain ist, musste ich jetzt auch so ein Tagebuch einrichten. Natürlich nur damit ihr die Polizei verständigen könnt, wenn hier mal zwei Wochen lang kein Eintrag war, denn dann haben mich vermutlich Stadtguerillas oder orthodoxe Rebellen in ihre Gewalt genommen. Wie gesagt, andere Länder, andere… usw.

Jetzt hat dieser Eintrag schon seine erste Lüge, zwei Sätze vorher. Nicht ich habe diese formidabel designte award-winning-verdächtige Seite erstellt. Eine Boeing 747 bei Schneeregen in Nepal zu landen wäre leichter gewesen als das Ding hier zu konfigurieren. Daher gilt mein besonderer Respekt natürlich dem Mann, der die Hieroglyphen damals in einer durchzechten Nacht übersetzt und gleich einen Gedichtband mitgeliefert hätte - the one and lonely Bratwurstchristian Finke! Dank wäre zuviel gesagt, Du bist halt mein 176.-bester Freund, ich finde da muss ein Zweizeiler mit einer ausgelutschten Metapher schon mal ausreichen. Du Ursula!

Für alle anderen sei noch gesagt: Um eure wunderschönen Gesichter und sirenengleichen Stimmen in meinem siebhaften Gedächtnis Wurzeln schlagen zu lassen, möchte ich euch noch ein paar Bier im guten alten 3 Amigos in der Altstadt spendieren. Bierhasser dürfen auch gern die Spezialität des Hauses ausprobieren. Freitag, den 9.1., so ab 22h würde dafür der Startschuss fallen. Weitersagen!

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